Hauptschlagadern der Odenwälder Straßen dürfen nicht länger hinten anstehen

20. September 2017

Hauptschlagadern der Odenwälder Straßen dürfen nicht länger hinten anstehen
Wirtschaft: Nicola Beer und Lencke Steiner besuchen Gewerbepark Hüttenwerk

Straßenbau ist nicht nur eine Frage des Geldes und der Umweltverträglichkeit. Straßenbau ist auch eine Geduldsfrage, wenn die originären Fragen erfolgreich abgearbeitet sind und es dennoch nicht voran geht. In diesem Dilemma steckt eine ganze Region, die sich – trotz Bereitstellung der erforderlichen Bundesmittel – von der schwarz-grünen Landesregierung in Wiesbaden abgehängt und vergessen fühlt.

Moritz Promny, Michael Nelius, Lenke Steiner, Rudolf Burjanko, Nicola Beer, Christian Mühlhäuser, Milena Scinardo, Dr. Alwin Weber, Manfred Willand und Enkelin

An der Erkenntnis, dass die Bundesstraße 45 auf der Strecke zwischen Dieburg und Groß-Umstadt lange schon nicht mehr das Verkehrsaufkommen angemessen aufnehmen kann, bestehen keine Zweifel. Unternehmen im Odenwaldkreis, die in der Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) organisiert sind, haben daher die Initiative ergriffen und sich direkt an das Hessische Wirtschaftsministerium gewandt und nach mehreren Seiten hin Gesprächsbereitschaft signalisiert. Davon Gebrauch gemacht hat eine Delegation von FDP-Politikern, um sich ein eigenes Bild davon zu machen, welche Auswirkungen dieser infrastrukturelle „Flaschenhals“ auf Unternehmen mit Sitz im zentralen Odenwald hat.

Der Weg der Besuchergruppe, die von der Generalsekretärin und Spitzenkandidatin Nicola Beer (Mitglied des Hessischen Landtags) und Lencke Steiner (Mitglied der Bremer Bürgerschaft und Investorin in der TV-Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ auf VOX) angeführt wurde, führte in den Gewerbepark Hüttenwerk, mit über 450 Jahren einen der ältesten Industriestandorte Deutschlands. Bereits bei der Ortswahl wurde gleich deutlich, dass die Wirtschaft des Odenwalds – anders als in den Ballungsräumen oft fälschlicherweise dargestellt – keineswegs von der Landwirtschaft und vom Tourismus dominiert wird. Gastgeber Christian Mühlhäuser stellte in einem kurzen Überblick die Stärken des Odenwalds vor: ein gesunder Mix aus global agierenden Firmen von Weltruf und inhabergeführten Mittelständlern auf qualitativ höchstem Niveau, hervorragende Vernetzung zum Schulträger und den Schulen und die niedrigste Arbeitslosenquote in Südhessen.

Wo drückt dem Odenwälder Unternehmer der Schuh? Bei ihrem Besuch im Michelstädter Gewerbepark Hüttenwerk erfuhren die beiden FDP-Politikerinnen (von links) Lencke Steiner (Bremer Bürgerschaft) und Generalsekretärin Nicola Beer von Kai Frindt (KARO Kunststoffzerspannung GmbH), welche Probleme die schwache Verkehrsinfrastruktur mit sich bringt.

Begrüßt und begleitet wurden die Abgeordneten von der FDP-Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis Odenwald, Milena Scinardo, in Begleitung von Manfred Willand (FDP Babenhausen) und den lokalen FDP-Vertretern Dr. Alwin Weber (FDP-Kreisvorsitzender) und Moritz Promny (stellvertretender Landesvorsitzender). Die Gäste waren sehr beeindruckt von der Leistungsfähigkeit der Region, die Rudolf Burjanko, stellvertretender Vorsitzender der IVO, skizzierte. Die Stärken liegen in den Branchen Kautschuk und Kunststoff, was überregional noch zu gering wahrgenommen wird. Mit 170 Mitgliedsunternehmen bildet die IVO die Hälfte aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Odenwaldkreis ab.

 

In Gesprächen mit Firmeninhabern auf dem weitläufigen Industriepark zeichnete sich eines deutlich ab. „Die Unternehmen sind überzeugt von ihrem Standort und schätzen das Miteinander in der Region“, wie Fabian Mendel vom Lötmittelproduzenten ALMIT betonte. Das weltweit agierende Unternehmen beabsichtigt, seinen zentralen Standort in Michelstadt um weitere Prozesse auszubauen. Der Gewerbepark reagiert auf Expansionspläne mit räumlich und zeitlich flexiblen Angeboten, um seinen Mietern die bestmöglichsten Entwicklungschancen einzuräumen. „Wir benötigen eine neue Gründerzeit in Deutschland und mutige Menschen wie Sie, die mit der unternehmerischen Geisteshaltung Dinge bewegen“, freute sich Nicola Beer darüber, dass auch die beiden Söhne in dem innovativen Unternehmen Verantwortung übernommen haben.

 

In diesem Sinne hat die Region ihre Hausaufgaben bestens erledigt und wartet darauf, dass die hierfür erforderliche Infrastruktur des kleinsten hessischen Landkreises, der als einziger ohne Autobahnanschluss ist, endlich voran gebracht wird. Auch andere Firmeninhaber forderten dazu auf, das Nadelöhr auf der Straße möglichst bald zu schließen, um drohende Wettbewerbsnachteile zu verhindern. Die IVO und die Unternehmen bleiben gesprächsbereit, stets mit dem Ziel, dass der grüne Wirtschaftsminister endlich auch grünes Licht für Planungen zum vierstreifigen Ausbau der B 45 zwischen Dieburg und Groß-Umstadt gibt. Dies betrifft auch die Ortsumgehungen von Groß Bieberau und Rimbach/Fürth (beides B 38), die ebenfalls in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wurden. „Die vom Ministerium vorgenommene Prioritätensetzung auf Autobahnen und Brücken lässt vergessen, dass im Odenwald mit den beiden Bundesstraßen gleich die wichtigsten Hauptschlagadern auf etliche Jahre hin weiter verstopft bleiben werden“, forderte Rudolf Burjanko zu mehr Gesprächsbereitschaft aus Wiesbaden auf.